Als Junge erlebt Hans-Dieter Grabe, wie sein Elternhaus in Dresden während
eines Bombenangriffes ausbrennt. Später lässt ihn das Thema Krieg nicht
mehr los: Er macht Dokumentarfilme über die Auswirkungen des Vietnamkrieges,
die Atombombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki. Die Verbrechen Nazideutschlands
thematisiert er genauso wie die kommunistische Unterdrückung in Osteuropa.
"Unsere Aufgabe als Dokumentarfilmer ist zweifellos eine politische",
sagt er und macht Filme, die weit über eine vordergründige politische
Berichterstattung hinausgehen. Kaum einem anderen Dokumentarfilmer ist
es gelungen, so dicht an seine Protagonisten heranzukommen und Gespräche
vor der Kamera zu führen, die in ihrer Tiefe so unmittelbar berühren.
Grabe geht dabei keinem existentiellen Problem aus dem Weg, mutet sich,
seinem Gesprächpartner und dem Zuschauer zu, sich mit den Grenzfragen
menschlichen Lebens zu beschäftigen, allerdings immer verbunden mit
der Hoffnung, das Elend zu bewältigen, aus dem Unglück zu lernen und
das Positive nicht zu übersehen. Immer wieder ist er mit der Kamera
zu einzelnen Protagonisten zurückgekehrt und hat einzigartige Langzeitbeobachtungen
über mehrere Jahrzehnte geschaffen. In ihrer formalen Strenge, in ihrer
scheinbaren Einfachheit, haben die genau ausgearbeiteten Filme Grabes
eine anhaltende Wirkung auf Fernsehzuschauer, die nicht mit der normaler
TV-Produktionen vergleichbar ist. In den vierzig Jahren von 1962 bis
2002 hat Hans-Dieter Grabe für seinen Sender, das ZDF, 60 eindrucksvolle
Dokumentarfilme geschaffen und ist mit zahlreichen hochrangigen Preisen
geehrt worden.
Das Buch stellt Grabes Werke vor, analysiert das Besondere seiner Arbeitsmethode
und lässt den Dokumentarfilmer im Gespräch mit dem Redakteur und Filmemacher
Bodo Witzke ausführlich zu Wort kommen.
Bodo Witzke ist auch Mit-Herausgeber des Bandes
"Wir sind alle Menschenfresser.
Georg Stefan Troller und die Liebe zum Dokumentarischen" (mit
Susanne Marschall)
