Dass wissenschaftliche Erkenntnis das Resultat aus Empirie und Theorie
darstellt, ist eine Selbstverständlichkeit. Die These von der Theorieabhängigkeit
jeglicher Beobachtung wurde weitgehend akzeptiert. Hier werden die Anfänge
der neuzeitlichen Naturwissenschaft unter diesem Gesichtspunkt analysiert.
Das Problem der Bewegung als Manifestation von Kräften, darstellbar
als Funktion von Raum und Zeit, wurde von Galilei und Newton gelöst.
Es war keine Abstraktion aus den Phänomenen, sondern die Frucht
glücklicher Antizipation: Galilei stellte sich Zeit als eine euklidische
Gerade vor, Newton postulierte die allgemeine Gravitation. Beide verschleierten
ihre Erkenntnis jedoch, weil sie sich einem naiven zeitgenössischen
Empirismus verpflichtet fühlten. Kepler bildete darin die große
Ausnahme; er führt uns als einziger durch das Labyrinth seiner
Annahmen. Lockes empiristische Zeichen- und Abstraktionstheorie wird
analysiert, ihr wird Berkeleys erstaunlich moderne zeichentheoretische
Erkenntnis gegenübergestellt. Humes Kausalitätsanalyse erscheint
paradigmatisch für die naiven Vorstellungen über Abstraktion
und Antizipation. Wäre er Newton nicht auf den empiristischen Leim
gegangen, dann hätte nicht erst Bergson erkannt, dass man nur unter
Annahme von Thesen von Ursachen als Zeichen sprechen kann.
