"Der Visionär: Francis Ford Coppola und seine Filme" ist eine
Werkmonographie, die das zwanzig Filme umfassende Gesamtwerk des Regisseurs
in chronologischer Reihenfolge untersucht. Die einzelnen Betrachtungen
konzentrieren sich auf den jeweiligen Film, werfen einen kurzen Blick
auf die Entstehungsgeschichte des Projekts, um sich nach einer knappen
Inhaltsangabe ausführlich dem Thema und der Form des Films zu widmen.
Zudem wird versucht, filmübergreifende Entwicklungstendenzen herauszuarbeiten
und den einzelnen Film in das Gesamtwerk einzuordnen. Die Einzelanalyse
wird durch die Betrachtung einer Auswahl von amerikanischen wie deutschen
Premierenkritiken abgerundet. Wichtige Elemente und Komponenten in Coppolas
Werk werden herausgehoben. Besonders fällt die experimentelle Ästhetik
auf, die die Filme des Regisseurs wie ein roter Faden durchzieht. Im
Widerspruch zum ersten Eindruck entpuppt sich Coppola bei näherer Betrachtung
nämlich als äußerst artifiziell verfahrender Künstler. Seine radikalsten
avantgardistischen Experimente wie "One From the Heart" und
"Rumble Fish" stießen bei der zeitgenössischen Kritik auf
Unverständnis. Hier wird der allgemeine Tenor der Meinungen zurückgewiesen,
es handele sich bei den Filmen um substanzloses Spektakel. Die Bilder
sind bei Coppola häufig von halluzinatorischer, traumhafter Qualität
und vermitteln ihre Aussage durch symbolische Darstellung. Die Familie
ist eines der Kernmotive in Coppolas Filmen. Auffällig ist, wie konservativ
er mit diesem Themenkomplex umgeht. Frauenfiguren erscheinen zumeist
nur als Randfiguren, und die seltenen Emanzipationsversuche werden im
Kein erstickt, beispielsweise in "The Rain People". Dem gegenüber
steht eine ausgeprägte formale Abenteuerlust und Experimentierfreude,
eine extreme Offenheit gegenüber technischen Neuerungen. Ein weiteres
Kernmotiv in Coppolas Filmen sind Figuren, die dem Themenkreis der existentialistischen
Moderne entnommen scheinen. Michael Corleone, Harry Caul, selbst Dracula:
Sie alle sind einsame Helden, zum Scheitern verurteilt. In der kunstvollen
Gestaltung von Raum, Ausstattung, Licht, Farbe und Ton und der geschickten
Führung der Darsteller schafft Coppola 'energiegeladene' Bilder, die
sich zu einem eigenen filmischen Kosmos zusammenschließen.