Möglicherweise ließen sich bereits um 1221 Franziskaner
am Anger, der bis 1287 außerhalb der Stadt lag, nieder. Dort befand
sich eine Jakobskapelle und ein Haus. Der Wittelsbacher Herzog Ludwig
der Strenge wollte die Franziskaner näher bei sich haben und errichtete
eine Kirche und ein Kloster für sie. Die Ministerialenfamilie der Sendlinger
unterstützte die Baumaßnahmen finanziell, weil sie Klarissen nach München
holen wollte. So konnten 1284 vier Schwestern aus dem Klarissenkloster
Söflingen bei Ulm am Anger einziehen.
Die Wittelsbacher traten als Herren und Beschützer des Klosters auf.
Sie übten die weltliche Gerichtshoheit aus. Drei Herzogstöchter traten
ins Angerkloster als Konventschwestern ein: Agnes, die Tochter Kaiser
Ludwigs IV., Amalie, die Tochter Herzog Ernsts, und Barbara, die Tochter
Herzog Albrechts III. Franziskanerbrüder waren die Beichtväter der Schwestern.
Bis ca. 1400 verwalteten Konversen, ab dieser Zeit Bürger der Stadt
München die Liegenschaften des Klosters. Die Äbtissinnen stammten aus
Münchner Patrizier- und Landadelsfamilien. Die Schwestern erwarben im
Laufe der Zeit umfangreiche Besitztümer.
Das Angerkloster erfüllte eine wichtige soziale Funktion in der Unterbringung
und Verköstigung alter Menschen. Die Frauen erzogen die Töchter aus
allen Bevölkerungsschichten und beteten für das Seelenheil der Menschen.
Die Jakobidult fand auf dem Platz vor der Kirche St. Jakob statt. Die
Pferderennen, die ebenfalls in diesen Tagen abgehalten wurden, bildeten
den gesellschaftlichen Höhepunkt des Jahres.
