Der spanische Film der achtziger Jahre war eine wichtige
gesellschaftliche Kraft. Er erzählte Gegengeschichten zur 36 Jahre lang
oktroyierten frankistischen Interpretation der Vergangenheit und des
Spanischen Bürgerkriegs. Die neue künstlerische Freiheit nach Francos
Tod nutzten spanische Filmemacher, um mit großem Erfolg beim Publikum
wichtige oppositionelle Werke der spanischen Literatur für das Kino
zu entdecken. Diese Literaturfilme sind ein archimedischer Punkt für
das Verständnis der politischen und kulturellen Geschichte Spaniens
seit dem Bürgerkrieg. Eingebettet in grundsätzliche Überlegungen zu
filmischen Adaptationen und in einen Überblick über das zeitgenössische
spanische Filmschaffen werden sechs Schlüsselfilme von Carlos Saura,
Mario Camus, Víctor Erice, Vicente Aranda und Francesc Betriu fruchtbar
gemacht für die Analyse der historischen Umbruchphase: vom frankistischen
Patriarchalregime hin zur parlamentarischen Monarchie unter König Juan
Carlos I. Diese Filme geben der schwierigen Selbstverständigung der
spanischen Gesellschaft über die eigene Vergangenheit Ausdruck. In ihrer
Rückschau auf scheinbar überwundene Konflikte bilden sie jedoch ebenso
den Zeitgeist der achtziger Jahre ab und thematisieren existenzielle
Grenzerfahrungen, die auf den Spanischen Bürgerkrieg und den Übergang
von der Diktatur in die Demokratie verweisen.
