Das wohlbegründete Schlagwort von Griechenland als der Wiege der europäischen
Kultur ist in der heutigen Zeit für viele obsolet geworden. Dementsprechend
liegt bei dem vorliegenden Band der Schwerpunkt bewusst nicht auf der
Antike, sondern auf dem Fortwirken des Griechentums im Mittelalter und
in der frühen Neuzeit, vor allem aber auf der modernen politisch-kulturellen
Situation. In diesem Sinne versteht sich die Aufsatzsammlung in erster
Linie als ein Dokument der Zeitgeschichte Griechenlands. Antike Philosophie,
byzantinischer Vielvölkerstaat als Erbe der griechisch-römischen Kultur,
die jahrtausendelange Kontinuität der griechischen Sprache, die Renaissance
auf Kreta, Griechenland als Schauplatz der Großmachtpolitik - all diese
Ströme, ob vergessen oder bewusst, münden ein in die Integration Griechenlands
in die Gemeinschaft der europäischen Staaten, die einst von dort aus
reiche Anregung empfangen haben.
