Die Ära des Nationalsozialismus erweist sich als beständiges Thema im
Filmschaffen Europas und Amerikas. Neben zahlreichen auf Authentizität
angelegten, naturalistischen Historiendramen und Fernsehserien entwickelte
sich jedoch eine Tendenz, die den deutschen Faschismus als eine vornehmlich
sexuell motivierte Bedrohung charakterisierte. Diese Strömung lässt
sich als kommerzieller Trend betrachten, bemerkt man die Häufung derartiger
Produktionen in den Jahren 1975 bis 1979. Gerade in Italien begann eine
junge Generation von Filmemachern mit durchaus politischen Ambitionen
- Bernardo Bertolucci, Liliana Cavani, Lina Wertmüller u.a. - das Erbe
des Neorealismus abzuschütteln... "Sadiconazista" stellt den Versuch
dar zu zeigen, welches Bild vom Nationalsozialismus durch diese Strömung
vermittelt wird und auf welche Weise dieses Bild und seine Stereotypen
bis ins Kino der jüngsten Gegenwart nachwirken. Bisherige Analysen des
Themas von Susan Sontag bis Saul Friedländer werden ebenso behandelt
wie die literarischen Ursprünge des Diskurses. Der Hauptteil bietet
die eingehenden Analysen ausgewählter Beispielfilme: La cadute degli
dei (Die Verdammten), Il conformista (Der große Irrtum), Il portiere
di notte (Der Nachtportier), Pasqualino Settebellezze (Sieben Schönheiten),
Salon Kitty (Salon Kitty/Doppelspiel) Salò (Die 120 Tage von Sodom),
L'ultima orgia del Terzo Reich und Schindler's List (Schindlers Liste).
Eine ausführliche, kommentierte Filmografie und eine umfassende Bibliografie
ergänzen den Band.
Marcus Stiglegger ist auch Herausgeber des Gardez!-Bandes
"Kino der Extreme. Kulturanalytische
Studien"
Außerdem ist er Mitherausgeber des Bandes
"Grenzsituationen spielen.
Schauspielkunst im Film: Fünftes Symposium