Unter dem Titel "Kino der Extreme. Von der filmischen Reflexion
zur Kulturanalyse" fand im Jahr 2000 ein Symposium am Mainzer Seminar
für Filmwissenschaft statt, dessen Teilnehmerinnen und Teilnehmer anhand
soziologischer Themenkomplexe die filmische Reflexion gesellschaftlicher
Realität analysierten. Den dort vorgetragenen kulturwissenschaftlichen
Ansätzen, die den hierzulande so häufig vernachlässigten Ansatz der
'cultural studies' in die Filmwissenschaft einzubringen versuchen, wird
in dem von Dr. Marcus Stiglegger, einem wissenschaftlichen Assistenten
am Seminar für Filmwissenschaft, zusammengestellten Aufsatzband Rechnung
getragen. Dabei konnten einerseits längst etablierte Vertreter der Disziplin
gewonnen werden - Thomas Koebner, Norbert Grob, Hans-J. Wulff, Bernd
Kiefer u.a. - wie auch einige NachwuchswissenschaftlerInnen aus dem
Umfeld des Filmmagazins "Screenshot", das regelmäßig in Mainz
erscheint. Auffällig ist in jedem der umfangreichen Texte das Bemühen,
komplizierte soziologische bzw. kulturphilosophische Kontexte verständlich
zu definieren, um auf dieser Basis - unter Einbeziehung genauer Filmanalysen
- aufzuzeigen, wie sich die Grenzen und Tabuzonen der westlichen Gesellschaft
in der aktuellen Filmproduktion niederschlagen. Auf diese Weise wird
eine kunstorientierte Kulturanalyse von den "Rändern" her ermöglicht,
die eine äußerst konstruktive und auch künftig wünschenswerte Koppelung
von Filmwissenschaft, allgemeiner und vergleichender Literaturwissenschaft,
Soziologie, Philosophie, Ethnologie und Politikwissenschaft bedingt.
Die beteiligten Autorinnen und Autoren schöpfen dabei aus einem reichhaltigen
Wissensfundus, der sich dem Leser nach und nach erschließt und teilweise
neue Perspektiven auf die eigene Kultur ermöglicht.
Marcus Stiglegger ist auch Autor des Gardez!-Buches
"Sadiconazista. Faschismus
und Sexualität im Film"
Außerdem ist er Mitherausgeber des Bandes
"Grenzsituationen spielen.
Schauspielkunst im Film: Fünftes Symposium
