Natur
ist wieder in die Diskussion gekommen. Nicht nur als Objekt ökologischer
Debatten, sondern vor allem als Gegenstand einer neu zu entwerfenden
Ästhetik der Natur. Am Anfang der Reflexion über Naturschönheit
steht das Paradox ihrer Unverfügbarkeit. Das zentrale Kuriosum
der historischen Genese der Naturästhetik besteht darin, dass sich
die Wahrnehmung von Natur als eines Reiches des Schönen nur dort
entfaltet, wo der lebensweltliche Zusammenhang mit Natur aufgebrochen
und distanziert ist. Das ästhetische Urteil über das Naturschöne,
das sich selbst zumeist als unvermittelte Spontaneität, als reines
Gefallen an den natürlichen Gestaltungen versteht,
ist hochgradig determiniert von kulturellen Prägungen und Vorverständnissen.
Zunächst werden drei Typen von Leitbildern ästhetischer und
vorästhetischer Naturerfahrung unterschieden (mythische, allegorische,
pragmatische). Auf der Basis dieser historischen Bestimmungen werden
Perspektiven einer Neubewertung aktueller Leitbilder entwickelt, wobei
auch die Rolle der Freizeit (Sport, Tourismus) berücksichtigt wird.
Zum Autor
Dirk Solies ist
auch Autor des Gardez!-Bandes
"Natur in der Distanz"
