Das Buch stellt eine Auseinandersetzung mit den Kommunikationsstrategien
des französischen Präsidenten Valéry Giscard d'Estaing dar. 1974 verkörperte
der bislang jüngste französische Staatspräsident als "Kennedy à
la française" Aufbruch und Moderne. Am Ende seiner Amtszeit war er hingegen
für weite Teile der Öffentlichkeit zum Synonym für monarchische Allüren
und politische Skandale geworden. In der Analyse dieses widersprüchlichen
Septennat fungiert die Interaktion zwischen dem Präsidenten und den
Massenmedien als eigenständiger Erklärungsbeitrag. Giscards Wahlkampf
von 1974 sowie die Umsetzung seiner liberalen Ideen bei der Konzeption
der präsidentiellen Öffentlichkeitsarbeit und der persönlichen Imagepflege
widerspiegelten den Bruch mit Ideologie und Ästhetik des Gaullismus.
Die Medienpolitik Giscards verlangt hingegen nach einem differenzierten
Urteil; verbarg sich doch hinter dem vorgeblichen Rückzug des Staates
aus den Medienorganisationen eine weitreichende Einflussnahme dank einer
geschickten Personalpolitik. Schließlich wird die "Diamantenaffäre"
untersucht, die aufgrund der Schwächen der präsidentiellen Krisen-PR
ihren Schatten auf die Präsidentschaftswahl von 1981 warf.
Eine Reihe von Experteninterviews, die die Literaturanalyse ergänzen,
dienen der Zielsetzung, die Strategien des Medienakteurs Giscard in
den Kontext der Zeitgeschichte einzubetten. Gleichzeitig erscheint die
Amtszeit von Valéry Giscard d'Estaing als exemplarisch für das komplizierte
Wechselspiel zwischen politischen Institutionen und Medienlogik.
