Die Entstehung und die Dynamik von komplexen Systemen in Natur und Technik
konnte das klassisch-mechanistische Weltbild, aber auch die moderne
Physik nicht erklären. Zur Struktur- und Musterbildung, zur Selbstorganisation
von Materie fehlten der klassisch-modernen Physik kreative Elemente:
Instabilitäten, Nichtlinearitäten, Chaos, Zufall. Seit Ende der 60er
Jahre beginnt sich das Natur- und Wissenschaftsverständnis der klassisch-modernen
Physik zu erweitern. Chaos-, Komplexitäts- und Selbstorganisationstheorien
weisen auf eine modifizierte, auf eine nachmoderne Physik hin. In der
nachmodernen Physik chaotisch-komplexer Realsysteme spielen Modelle
und Begriffe eine besondere Rolle. Die vorliegende Studie zeigt anhand
eines Beispiels, welche Bedeutung und Reichweite Begriffen in der nachmodernen
Physik zukommen. Stückweise wird der Begriff der "physikalischen Grenze"
entwickelt, geschärft und systematisiert. Zur Modellierung von komplexen
Realsystemen in Natur, Technik, Wirtschaft und Gesellschaft erweist
sich das Konzept der "physikalischen Grenze" als zweckmäßig und sogar
vielfach als notwendig. Unterschiedliche Beispiele und Phänomene von
Modellsystemen mit "physikalischen Grenzen" werden im Wechselspiel zwischen
Physik und Wissenschaftsphilosophie diskutiert und reflektiert.
