"Die künstlerische Einsicht und Entdeckung
entsteht (...) jedesmal als ein neues und einzigartiges Bild der Welt,
als eine Hieroglyphe der absoluten Wahrheit. Sie präsentiert sich
als eine Offenbarung, als ein jäh aufblitzender leidenschaftlicher
Wunsch des Künstlers nach intuitivem Erfassen sämtlicher Gesetzmäßigkeiten
der Welt (...)."
Andrej Tarkowskij
Für den russischen Regisseur Andrej Tarkowskij bestand
der tiefere Sinn der Kunst darin, die Grenzen der materiellen Alltagswelt
zu überschreiten; das künstlerische Symbol entschleiert in
einem quasi religiösen Moment die metaphysische Wirklichkeit des
ganz Anderen. In dem düsteren Labyrinth des eigenen Selbst gefangen,
scheint sich indes jede mystische Enthüllung als autistische Phantasmagorie
zu enthüllen. Tarkowskijs Filme, wie "Solaris", "Stalker"
oder "Opfer", führen den Zuschauer somit in Grenzgebiete
der menschlichen Erfahrung, in eine Zone der absoluten Verunsicherung,
aus deren symbolistisch-artifizieller Struktur zahlreiche Rezeptionsschwierigkeiten
resultieren: In der Sowjetunion entsprachen die subjektivistischen Filme
nicht der Doktrin des sozialistischen Realismus, im Westen feierten
cinephile Kreise den "russischen Avantgardisten", gleichzeitig
reagierte der Großteil des Kinopublikums auf den filmischen Kosmos
Tarkowskijs mit Unverständnis - ein undurchdringlicher Schleier
des Geheimnisvollen trennt das Werk Tarkowskijs von der Öffentlichkeit.
Das vorliegende Buch versucht diesen Schleier transparent zu machen:
Es informiert über die weltanschaulichen Fundamente Tarkowskijs,
beleuchtet geistesgeschichtliche Hintergründe und erschließt
vor allem den ambivalenten Charakter zentraler Filmsequenzen, die detailliert
besprochen werden.
