Die Auseinandersetzung zwischen Kommunitaristen und Liberalisten hat
in den letzten Jahren die sozialphilosophischen und gesellschaftstheoretischen
Diskurse weithin bestimmt. Dieses Buch fasst die wichtigsten Positionen
und Stationen mit dem Blick für das Wesentliche zusammen. Im Zentrum
der Analyse steht allerdings eindeutig die Frage, ob der Kommunitarismus
im Hinblick auf das Problem der "sozialen Integration" in modernen Gesellschaften
adäquate Antworten bereithält. Dazu werden zunächst Signaturen und Ambivalenzen
moderner Vergesellschaftung herausgearbeitet, um dann in einem weiteren
Schritt den Begriff der Gemeinschaft - bekanntermaßen Dreh- und Angelpunkt
kommunitaristischen Denkens - zu analysieren. Dies geschieht im Rückgriff
auf Klassiker der Soziologie wie etwa Tönnies und Plessner, die bis
dato, wie A. Hirschmann zu Recht anmerkt, relativ wenig Beachtung in
diesem gesellschaftstheoretischen Diskurs gefunden haben. Da der Kommunitarismus
nach Ansicht des Verfassers keine geeigneten sozialintegrationstheoretischen
Wege beschreitet, wird abschließend die Sozialphilosophie M. Walzers
betrachtet. Diese sucht die Rückwärtsgewandtheit anderer kommunitaristischer
Positionen (Taylor, Sandel) durch eine Verschmelzung von Liberalismus
und Kommunitarismus zu überwinden. Der "kommunitäre Liberalismus" Walzers
überzeugt in vielerlei Hinsicht, aber immer nur dann und solange, wie
dieser die allzu einengenden kommunitaristischen Fesseln abzustreifen
vermag.
