Am 22. November 1963 erschütterte die Nachricht von
der Ermordung John F. Kennedys die Welt. Bis heute bezweifelt die Mehrheit
der Amerikaner die Einzeltäterhypothese.
Die Verschwörung als Triebfeder von Historie bildet einen nicht unwesentlichen
Bestandteil des politischen Denkens in der amerikanischen Gesellschaft.
Auf dem Nährboden von Ereignissen wie dem Präsidentenattentat, dem Vietnam-Trauma
und der Watergate-Affäre erlebten die paranoiden Ängste vor der Übernahme
von Regierungsgeschäften durch eine im Dunkeln operierende Geheimgesellschaft
eine Blütezeit. Selbstverständlich konnte sich auch Hollywood der Faszination
am Geheimnisvollen und Rätselhaften mit seiner Atmosphäre von Vertuschung,
politischer Sabotage und Bespitzelung nicht entziehen und brachte das
Klima der Paranoia auf die Leinwand.
Paranoia im amerikanischen Kino konzentriert sich auf die Filmproduktion
der 70er Jahre, in der eine junge Generation von Filmemachern, Vertretern
des New Hollywood wie Alan J. Pakula, Francis Ford Coppola und Sydney
Pollack, ihr Misstrauen gegenüber staatlicher und geheimpolizeilicher
Gewalt formulierte. Besonderes Augenmerk gilt dabei den Inszenierungskonzepten,
den erzählerischen wie auch bildgestalterischen Strategien zur Erzeugung
von Verunsicherung. Eine umfassende Analyse von Oliver Stones "JFK"
(1991), ein Derivat der Paranio-Diskussion, schließt sich an.
