Betriebliche Bündnisse für Arbeit entstehen, weil aufgrund spezifischer
sozioökonomischer Veränderungen die Basisinstrumente der Tarifautonomie
sowie die durch sie vermittelbaren Inhalte immer weniger aktuellen Regulationsanforderungen
entsprechen. Bedingt durch die schrittweise Auflösung des fordistischen
Modus materieller Produktion und Verteilung beginnt tarifpolitische
Intermediarität als Schlüsseldimension für Kohärenz im Wechselverhältnis
von Akkumulation und Regulation an Wirkkraft zu verlieren. Doch können
in Anbetracht von Massenarbeitslosigkeit betriebliche Arbeitsbündnisse
als Alternativinstrument den Funktionsverlust der Tarifautonomie aufhalten?
Oder zeitigen sie womöglich ganz gegenteilige Effekte auf das System
der Industriellen Beziehungen und ihre gesellschaftlichen Rahmenbedingungen?
Die vorliegende Arbeit versucht aus regulationstheoretischer Perspektive
die Bedeutung und Krise der Tarifautonomie unter Berücksichtigung steuerungstheoretisch-institutionalistischer
Aspekte zu erhellen. Zudem hilft der Einbezug von Datenmaterial einschlägiger
empirischer Untersuchungen mögliche Steuerungs- und Struktureffekte
betrieblicher Arbeitsbündnisse auf Mikro-, Meso- und Makroebene zu bewerten.
Das Ergebnis ist ernüchternd: Zwar gelingt es dem betrieblichen Regelungsansatz
durchaus tarifpolitischen Effektivitäts- und Legitimationsverlust einzudämmen.
Jedoch tragen einzelne Bündnistypen nicht unerheblich zur weiteren Destabilisierung
der Tarifautonomie, ihrer Instrumente sowie konstitutiven Rahmenbedingungen
bei. Somit ist auch ihr gesamtgesellschaftlicher Regulationsauftrag
gefährdet.