"BilderMusik" geht als musikwissenschaftliche Untersuchung mit interdisziplinärer
Perspektive analogen Aufführungen von medialen Großbildern mit Musik
auf die Spur. Hierbei liefert die Idee einer "Archäologie" der Filmmusik
eine wesentliche Voraussetzung, die kulturhistorischen Hintergründe
bildhafter Musikkonzepte von der Klavierschlacht bis hin zum Gesamtkunstwerk
in der Zeit von etwa 1800 bis 1905 in den Blick zu nehmen.
Die Abhängigkeit von Musik und Bild in Aufführungen von Tableaux vivants,
Dioramen, bewegten Panoramen sowie des frühen Films zeitigte wesentliche
Folgen für die Musik. Zum einen konnte das Geräusch als klangliches
Ereignis (erstmalig in der Kulturgeschichte) bewusster Beobachtung unterzogen
werden; und zum anderen entwickelte man Strategien, die Musik von den
Prozessen ihrer sichtbaren Produktion zu lösen. Musik wurde "unsichtbar",
und die Großbilder, die ein Massenpublikum anzogen, füllten die so entstandene
Leerstelle des Visuellen mit Ansichten landschaftlicher und städtischer
Darstellungen. Neben eigens komponierter Musik griff man auf Musik aus
dem bestehenden Repertoire oder auf improvisierte Musik zurück.
Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich so einer neuer
"Berufsstand": der Simultanbegleiter von Bildern am Klavier. Aber nicht
nur die Filmmusik des 20. Jahrhunderts selbst steht in der Tradition
multimedialer Kunst des 19. Jahrhunderts; die theatrale Beethovenrezeption
sowie Teile von Wagners und Liszts Oeuvre zeigen, dass das Bildhafte
im Zeitalter der ersten audiovisuellen Massenmedien ganz allgemein zur
wichtigen Referenz für Sinfonik und Oper wurde. Die Musik löste die
im 19. Jahrhundert vielfach heraufbeschworene Vision einer kinetischen
Kunst am idealsten ein.