FRIEDERIKE MAYER
Fremde Kultur - fremdes Geschlecht
Studien zur literarischen Verarbeitung von Fremderfahrungen in frankophonen Romanen der beiden letzten Jahrzehnte

1. Auflage 1995. 308 S. DIN A 5. Broschur
EURO 29,95
ISBN 3-928624-28-8
Komparatistik im Gardez! Hrsg. von Horst Fritz. Band 1

Titel ist vergriffen


Eine Afrikanerin blickt nach Europa, ein Europäer reist durch Afrika. Eine Frau betrachtet einen Mann, ein Mann beobachtet eine Frau: Fremde Kultur - fremdes Geschlecht. Friedrike Mayer untersucht die literarische Verarbeitung unterschiedlicher Erfahrungen fremder Kultur in frankophonen Romanen. Dabei wird der Aspekt der kulturellen Fremdheit und der Aspekt der Fremdheit der Geschlechter zunächst unabhängig voneinander untersucht. Ausgehend von dem Diskurs der ausgeschlossenen 'Laien' und Frauen des 18. Jahrhunderts, sucht Mayer nach den semantischen und auch ästhetischen Bedeutungen dieser Fremderfahrungen. Der Bezug zwischen beiden Aspekten liegt in dem theoretischen Verständnis von Fremde als Begriff. In diesem Sinn ist Fremde lediglich in zwei- oder mehrwertigen Beziehungen zu realisieren. Sie steht in Wechselwirkung mit dem eigenen Ich in seinem gesamten Umfang, den persönlichen Erfahrungen und Erwartungen und wirkt gleichzeitig auf das Ich zurück. Mayer entgeht hier, in der Analyse der Fremderfahrung der Geschlechter, der Reduzierung des weiblichen Geschlechts auf das Schwächere gerade durch die jeweils eigene (Lebens-)Geschichte. In den Werken der behandelten Autoren, wie Le Clézio und Duras, taucht die kulturelle Fremdheit immer wieder auf. Bei Le Clézio ist die Suche nach Mythos und Tradition Leitmotiv, bei Duras sind es die eigenen Erfahrungen im damaligen Indochina. Diesen Autoren sind zwei afrikanische Schriftsteller entgegengesetzt, die kulturelle Fremdheit zum größten Teil durch Besetzung des eigenen Landes, unter Kolonialherrschaft und - in diesem Zusammenhang - durch Immigration, erfahren haben. Der Aspekt der Geschlechterfremdheit ist wieder bei Duras thematisiert, mit Beschränkung auf den sexuellen Gegensatz, die Zu- und Abneigung zwischen Mann und Frau. In Tahar Ben Jellauns Romanen wird die Fremdheit der Geschlechter in einer Person verdeutlicht: einem marokkanischen Mädchen, das von der Familie als Junge ausgegeben wird. Thema ist hier die innere Zerrissenheit des Mädchens. Die Auswahl dieser Romane, die gerade beide Aspekte berücksichtigen, dient Mayer als Ausgangspunkt für Betrachtungen von der Geschlechterfremdheit zurück zur kulturellen Fremdheit.

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