Ziel dieser Arbeit war die Untersuchung leukozytärer Oberflächenantigene
und deren Aktivität in Abhängigkeit vom angiographisch-dokumentierten
Koronarstatus und der klinischen Manifestation der koronaren Herzerkrankung
(KHK).
Hierzu wurden im Zeitraum von Juli 1997 bis Januar 2001 3316 Patienten
mit vorhandenem Koronarangiogramm eingeschlossen. Nach Ausschluss von
346 Patienten mit störenden akuten oder chronischen Begleiterkrankungen
wurden bei 2970 Patienten die leukozytären Oberflächenantigene in peripherem
Venenblut mittels Durchflußzytometrie gemessen.
Bei den lymphozytären Zelllinien wurden CD3, CD4, CD8, CD16, CD19, CD56
und HLA-DR untersucht. Bei den monozytären und granulozytären Zellinien
wurde die Expression von CD11b, CD18, CD40, CD31, CD58, CD80, und HLA-DR
bestimmt. Dabei wurde die Anzahl solcher Oberflächenantigen exprimierender
Zellen, deren relativer Anteil an der Gesamtleukozytenpopulation und
mittels "mean fluorescence intensity" (MFI) die Dichte der exprimierten
Oberflächenantigene auf der Zelloberfläche gemessen.
Bei Patienten mit stabiler KHK und akutem Koronarsyndrom (ACS) zeigte
sich signifikant häufiger eine Leukozytose und Linksverschiebung gegenüber
Patienten ohne KHK. In der lymphozytären Subgruppe zeigte sich außerdem
eine signifikante Depletion von B-Lymphozyten und zytotoxischen T-Zellen
bei Patienten mit ACS, möglicherweise infolge eines Verbrauchs solcher
Zellen durch eine vermehrte Immunreaktion bei ACS. Die übrigen lymphozytären
Zellen (T-Helferzellen, NK-Zellen oder HLA-DR+-T-Zellen) waren nicht
unterschiedlich verteilt.
Weiterhin fand bei Patienten mit ACS eine signifikant erhöhte Expression
der Oberflächenmarker CD11b/CD18 (MAC-1), CD31, CD58, CD40 und HLA-DR
auf Monozyten und eine signifikant erhöhte Dichte des CD31-Oberflächenantigens
(gemessen als MFI). Der monozytäre Aktivierungs-/Inflammationsmarker
CD80 war hingegen in den drei Patientengruppen nicht unterschiedlich.
Bei den granulozytären Oberflächenantigenen zeigten sich konkruent zu
den monozytären Oberflächenantigenen eine signifikant höhere Anzahl
von Granulozyten mit CD11b/CD18 (Mac-1) und CD31-Expression bei Patienten
mit ACS. Die granulozytären Oberflächenantigene CD80, CD58, CD40 waren
bei den Patienten ohne, mit stabiler oder instabiler KHK gleich verteilt.
Die Studie zeigte, dass bei Patienten mit ACS eine Aktivierung der Leukozyten
(vermehrter Nachweis der monozytären Aktivierungs-/Inflammationsmarker
HLA-DR, CD40) und eine verstärkte Adhäsion mit Diapedese vorliegt (mit
erhöhter Expression der Adhäsionsmoleküle CD11b/CD18, CD31 auf Granulo-
und Monozyten, sowie von CD58 nur bei letzteren).
Obwohl generell die gleichen Mechanismen bei der stabilen koronaren
Arteriosklerose beschrieben sind, zeigte sich in der vorliegenden Untersuchung
kein signifikanter Unterschied für die untersuchten Antigene zwischen
Patienten mit stabiler KHK und solchen mit koronarangiographischem Ausschluss
einer KHK.