WOLFGANG VON LÖHNEYSEN
Erlebtes Altertum
Aufsätze zur Kunst- und Geistesgeschichte

1.Auflage 1998. 204 S. 16 s/w-Abbildungen. DIN A5. Broschur
EURO 29,95 (unverbindliche Preisempfehlung)
ISBN 978-3-928624-67-1
Die Antike und ihr Weiterleben. Hrsg. von Heinz Gerd Ingenkamp. Band 2


Spiegelungen des Altertums sind diese Abhandlungen - Standpunkte sehr verschiedener Arten werden eingenommen, so dass ein facettenreiches Bild vom Nachleben der Antike entsteht. Carel van Mander, der das Leben der niederländischen Maler beschrieb - und ein Kunsthistoriker war - benutzte für die Kunst der 'Alten' wie Vasari und Winckelmann die gleichen Quellen, die auch Schopenhauer verwendete, obgleich er sein Erlebnis griechischer Kunst in sein philosophisches System integrieren musste. Allerdings ging er als Kantianer mit den antiken Autoren, namentlich mit Platon, sehr kritisch um, sofern sie die Unsterblichkeit der Seele behauptet hatten. Sokrates gewann in Malerei und Literatur des 18. Jahrhunderts, gipfelnd in Jacques-Louis Davids Gemälde "Der sterbende Sokrates", epochale Bedeutung, denn sokratisches Wesen entsprach der Aufklärung Voltaires und Diderots, aber auch der sich vom Christentum befreienden Tugend - bis zur Revolution von 1789. Anderen Charakter hat Wilhelm von Humboldts Erlebnis der 'Ewigen Stadt', weil es seine Idee begünstigte, Rom als Vermittlerin griechischen Geistes wahrzunehmen. Aus seinem Briefwechsel mit Goethe und Schiller gewinnen wir Rom zurück, das noch das Antlitz der Antike trägt. Mistra, die Stadt am Taygetos, war eine Vielvölkerstadt, deren Leben geschildert wird. Hölderlin im Hyperion und Goethe im Faust (II, Akt 3) verwandelten dies neue Sparta in ein Symbol und gewährten mit ihrem dichterischen Werk der revolutionären, aber auch der poetischen Freiheit bleibende Gegenwart. Sind Hyperion und Euphorion vielleicht doch Brüder im Geiste?

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Wolfgang von Löhneysen schrieb auch das Gardez!-Buch
"Im Blickfeld: Goethe und Schopenhauer"