"Wir sind umso authentischer, je ähnlicher wir
dem Traum werden, den wir von uns selbst haben", erklärt der Transsexuelle
in Pedro Almodóvars Film "Todo sobre mi Madre" und blickt
dabei auf seine Brustimplantate herab. Die Frage nach Mann oder Frau,
Sein oder Schein und die Suche nach geschlechtlicher Gleichberechtigung
und Identität münden im Begriff der Androgynie, der schon seit Platons
Mythos vom Kugelmenschen die Geschlechter vereint, die Geister scheidet.
Ist der Mann die selbstbewusstere Frau? Die Frau der sensiblere Mann?
Im Zeichen der aufkommenden Unisex-Ära scheinen die Grenzen zwischen
den Geschlechtern immer mehr zu verwischen.
Der Film als Spiegel der Gesellschaft und Medium der Aufklärung und
Provokation befasst sich seit seinen Anfängen mit der Vermischung der
Geschlechter, dem Verwirrspiel des Kleidertausches und der Mystifizierung
des Uneindeutigen in den unterschiedlichsten Genres. "Von Tadzios
und Tootsies" wendet sich der filmischen Darstellung des Mannes
als Frau zu und differenziert zwischen einer natürlichen und einer künstlichen
Androgynie, von der Stummfilmzeit bis hin zu den aktuellen Filmbeispielen
des Gender-Crossings, von der "Perückenparade" des "Charley's
Aunt"-Prinzips bis hin zur authentisch inszenierten Weiblichkeit des
Mannes.