Filme schöpfen ihre Motive und stilistischen Muster
fortwährend aus anderen Filmen. Diese Selbstreferentialität reicht vom
direkten Zitat über bloße Analogien in Story, Plot oder historischen
Bezügen bis zur Hommage oder dem Plagiat.
Das Remake, definiert als Neuverfilmung eines bereits verfilmten Stoffes,
ist ebenfalls eine Form der Selbstreferentialität. Die ersten Remakes
lassen sich bis in die frühen Jahre der Filmgeschichte zurückverfolgen.
Seit Mitte der 1980er Jahre herrscht jedoch ein regelrechter Remake-Boom,
den vornehmlich die amerikanische Filmbranche erzeugt. Hauptlieferant
ist dabei der europäische Film. Gemessen an Zuschauerzahlen und Einspielergebnissen
schneiden die Neufassungen oft sogar profitabler ab als das Original.
Und doch haftet dem Remake ein negativer Ruf an. Einen Film neu aufzulegen,
gilt meist als einfallsloses Kopieren zum Zwecke simpler Profitsteigerung.
Unbestreitbar herrscht zwischen dem kreativen Niveau eines Originals
und dem marktangepassten Remake häufig eine tiefe Kluft, doch gibt es
nicht ebenso Filmbeispiele, die zeigen, dass Remakes künstlerisch durchaus
mit ihrem filmischen Vorgänger mithalten können? Um diese Frage zu beantworten,
untersucht die vorliegende Arbeit vier europäische Filme und ihre amerikanischen
Versionen anhand detaillierter Strukturanalysen.
Das feinmaschige Untersuchungsnetz beginnt bei der Titelgestaltung,
erstreckt sich über die narrative Struktur der Filme, die Art und Weise
der Inszenierung und Montage, schließt Figurenkonstellationen, Charakterzeichnungen
und Schauspielkunst ein, erörtert die Funktion von Kamera, Licht, Filmarchitektur,
Dekor und Kostüm und untersucht die Filmmusik der unterschiedlichen
Werke, um schließlich über kulturelle Muster und zeitgeschichtliche
Bezüge zu reflektieren.
Während die untersuchten Neufassungen "The Man Who Knew Too Much", (A.
Hitchcock) und "Some Like it Hot" (B. Wilder) im Vergleich zu ihren
Vorgängern durch eine größere thematische Tiefe und viele visuelle Weiterentwicklungen
überzeugen, fallen die US-Varianten - "The Vanishing" (G. Sluizer) und
"Breathless" (J. McBride) gegen die Originale deutlich ab. Ihre technisch
aufwändigere Gestaltung kann den Verlust erzählerischer Details nicht
kompensieren, wenngleich McBrides Remake-Fassung zumindest zu einem
eigenen Ausdruck findet und interessante gesellschaftliche Veränderungen
zwischen der Entstehung des Original und des Remakes offenbart.
Mithilfe der Analyse-Ergebnisse spürt die Arbeit wiederkehrende Charakteristika
amerikanischer Remakes auf, begründet Merkmale gelungener Neuverfilmungen
und schlussfolgert, dass Remakes durch die bewusste Modifikation des
Originals Geschichts- und Gesellschaftsbilder sowie filmästhetische
Prozesse reflektieren, und damit eine elementare Zeitzeugenfunktion
übernehmen können.
