"Halbnah" ist eine mittlere Einstellung in der Kinematografie. Sie zeigt
zum Beispiel Personen zur Hälfte, schon als Handelnde, jedoch nicht
raumgreifend. Dieser "medium shot" ist eingeschoben zwischen der Nah-
und der Großaufnahme: die den Blick auf die Physiognomien der Menschen
oder Dinge konzentriert und sie aus der Umwelt zeigt, Szenerien, Objekte
unter Objekten, in merklichem Abstand. Der halbnahen Einstellung eignet
eine gewissen Instabilität oder Zwiespältigkeit, sie wird durchlaufen
auf dem Weg zu größerer Intimität oder, umgekehrt, zu größerer Distanz.
Sie erlaubt dramatische Involviertheit in das Geschehen und zugleich
schon prüfende Beobachtung. Die unter dieser Kategorie versammelten
Studien sind in ihrer Mehrheit durch die mittlere Entfernung von den
Gegenständen ihres Interesses gekennzeichnet. Sie kommen den Sachen
näher als erste tastende Impressionen, so hoffe ich, selbst wenn sie
den Charakter der Miszelle haben. Ebensowenig handelt es sich um Untersuchungen
mit abschließendem Gestus. Halbnahe Beobachtungen sind zum Weiterdenken
geeignet, so hoffe ich ein zweites Mal, wollen als Beiträge zum Dialog
verstanden werden. Die meisten Aufsätze gelten dem Film als kulturgeschichtlichem
Phänomen. Einige Erläuterungen zur hermeneutischen Methode - für mich
immer noch der "Königsweg" beim Umgang mit Kunst in ihrer Zeit - habe
ich zum Schluss angefügt.
Thomas Koebner hat folgende weitere Bücher
bei Gardez! veröffentlicht:
"Lehrjahre im Kino"
"Vor dem Bildschirm"
"Wie in einem Spiegel"
"Schauspielkunst im Film"
(Hrsg.)
"Meine Lieblingsfigur auf
der Bühne" (Hrsg., mit Klaus Briegleb)
"Mitteilungen über den Maghreb"
(Hrsg., mit Anton Escher)
"Verwandlungen"
"Filmbilder
- Sinnbilder"
