Die transatlantischen Beziehungen nehmen in der Politikwissenschaft
traditionell einen wichtigen Platz ein. Während sich die meisten Studien
in diesem Feld überwiegend deskriptiv auf die USA und Westeuropa konzentrieren,
verwendet der Autor hier im Hinblick auf Akteure und Methoden einen
anderen Ansatz: Er trägt den Umbrüchen nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes
Rechnung und schließt die Transitionsstaaten Mittel- und Osteuropas,
über den Kreis der klassischen transatlantischen Akteure hinausgehend,
mit in seine Untersuchung ein. Der Verfasser wählt einen empirischen
Zugriff auf der Grundlage der in den Internationalen Beziehungen gegenwärtig
dominierenden Interdependenztheorie. Daraus entwickelt er drei Sub-Interdependenz-Konzepte,
die er als ökonomische, strategische und institutionelle Interdependenz
bezeichnet. Anschließend formuliert er vierzehn Indikatoren zur Operationalisierung
der Konzepte, die eine empirisch fundierte Bestandsaufnahme des Verflechtungscharakters
der europäisch-amerikanischen Beziehungen ermöglichen. Die Analyse als
Kern der Arbeit zeigt, dass die Beziehungen zwischen den USA und der
EU größtenteils symmetrische Interdependenz aufweisen, während die zwischen
den systematisch ausgewählten Staaten Mittel- und Osteuropas und der
EU asymmetrischen Charakter haben. Das empirisch belegbare Datum bildet
die Grundlage für die anschließende Frage nach den Effekten symmetrischer
und asymmetrischer Interdependenz, d.h. nach bestehenden und potentiellen
Konflikten zwischen den USA und Europa. Wie sollen die europäisch-amerikanischen
Akteure diese Effekte steuern? Wie können sich die Staaten Mittel- und
Osteuropas aus asymmetrischer Interdependenz befreien? Welche Instrumente
stehen den Akteuren zur Verfügung? Diese Fragen künftiger Untersuchungen
wirft der Verfasser in seinem Schlusswort auf.
Christian Kannwischer ist auch Autor des Bandes
"Die Stabilisierungs- und Konsolidierungspolitik
der EU gegenüber Mittel- und Osteuropa".
Außerdem ist er Mit-Autor der Bände
"Politik und Werbung" (mit
Ulrich Druwe)
und
"Bevölkerungsentwicklung
und Migrationsdruck" (mit Katja Schwarz)
