Dagmar Kaiser
"Entwicklung ist das Zauberwort"
Darwinistisches Naturverständnis im Werk Julius Harts als Baustein eines neuen Naturalismus-Paradigmas

1. Aufl. 1995. 364 S. DIN A5. Broschur
EURO 29,95
ISBN 3-928624-24-5
GiG. Germanistik im Gardez! Herausgegeben v. Dieter Kafitz. Band 3

Der Titel ist vergriffen


Ausgehend von Widersprüchen in der bisher hauptsächlich sozialkritisch orientierten Naturalismus-Forschung, geht es um eine Neubestimmung der Epoche von 1880 bis 1920. Unter Zuhilfenahme von Thomas S. Kuhns Paradigmenbegriff wird versucht, die weltanschaulich prägende Kraft von Charles Darwins Evolutionstheorie in der maßgeblich von Ernst Haeckel popularisierten Form darzustellen. Die Auswirkungen des darwinistisch-evolutionären Paradigmenwechsels auf die Literatur werden am Beispiel Julius Harts nachgewiesen. Evolutionäre Bilder des Fließens, Strömens und Wachsens und eine fruchtbarkeitsbetonte Lichtmetaphorik sind für das Gesamtwerk Harts konstitutiv. Über die Gattungs- und Epochengrenzen hinweg bleibt das darwin-haeckelsche Paradigma einer evolutionistischen und monistischen Naturbetrachtung bestimmende Grundlage der theoretischen, dichterischen und lebensreformerischen Aktivitäten Julius Harts.
Die am Einzelbeispiel gewonnenen Erkenntnisse verallgemeinernd, kann der Darwinismus als wesentlicher Bestimmungsfaktor für Dichtung und Weltanschauung um die Jahrhundertwende ausgemacht werden. Dabei kommt es auch zu einer Neubestimmung des Naturalismusbegriffs. Aus der Perspektive einer darwinistischen Naturbetrachtung stellt sich die Zeit von 1880 bis 1920 als Einheit dar, in die Sozialkritik, Naturwissenschaft und Naturmystik integriert werden können. Gleichzeitig bietet die Arbeit die bisher vollständigste Dokumentation der Hartschen Reformsiedlung "Die Neue Gemeinschaft" und des Nachlasses von Julius Hart. Bisher nicht veröffentlichtes Quellenmaterial, vor allem aus dem Hart-Nachlass der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund, wird erschlossen.