Die politische, wirtschaftliche und territoriale Umbruchsituation
nach dem Ersten Weltkrieg hatte für die Pfalz weitreichende Folgen.
Die NSDAP profitierte hier recht früh vom Versagen der etablierten Weimarer
Parteien. Sie entwickelte sich unter Josef Bürckel, relativ eigenständig,
zu einer modernen Massenpartei mit deutlicher Tendenz zur Erfassung
breitester Wählerschichten. Den Zug zur Unabhängigkeit der Pfalz von
bayerischer Verwaltungsführung verfolgte der pfälzische Gauleiter nach
der Machtergreifung in unterschiedlichen Vorstößen beharrlich. Sein
ehrgeiziges Streben war u.a. auf die Schaffung eines Reichsgaues gerichtet,
der zunächst die Pfalz, das Saargebiet, im Krieg dann auch Lothringen
umfassen sollte. Das Projekt wurde nicht realisiert, weil Hitler die
Zustimmung verweigerte. Der beachtliche Aufstieg des pfälzischen Gauleiters
in der NS-Oligarchie ließ Bürckel aber wenigstens de facto-Unabhängigkeit
erreichen.
Eigenständigkeit verfolgte Bürckel auch auf wirtschaftlichem, sozial-
und arbeitsmarktpolitischem Gebiet. Die "Volkssoziale Selbsthilfe" machte
sich die technische Effektivität der unteren staatlichen und kommunalen
Administration zunutze, um Bürckels gauinterne "sozialistische" Eskapaden
ins Werk zu setzen. Durch die reichsweite Schaffung der Winterhilfe
und des Reichsarbeitsdienstes entstand jedoch für den pfälzischen Parteipotentaten
eine erdrückende Rivalität, die seine gaubezogenen Eigeninitiativen
nach heftiger Gegenwehr schließlich ins Leere laufen ließen. Am stärksten
belastete der nationalsozialistische Umgestaltungswille wie anderswo
auch die Gemeinden der Pfalz. Der Machtumschwung in Dörfern und Städten
wirkte sich hier zuerst und vor allem auf personalpolitischem Gebiet
aus. Die personellen Übergriffe und administrativen Eingriffe von Parteistellen
führten über eine empfindliche Ausdünnung des geschulten Personals bis
hin zu einem permanenten Verwaltungsnotstand. Das Prinzip der gemeindlichen
Selbstverwaltung, im ungelösten Verhältnis von Partei und Staat zerrieben,
musste unter den Bedingungen eines unter Einsatz aller Mittel geführten
Krieges am Ende gänzlich auf der Strecke bleiben.