Ausgangspunkt der Untersuchung ist die Reformation als Kommunikations-Ereignis
in einer sensibilisierten, krisenbewussten Umwelt, das alle Schichten
der Bevölkerung erfasste. Hieraus folgt, dass die Kommunikationsvorgänge
der Frühen Neuzeit nicht als durch das gedruckte Wort allein determiniert
gesehen werden können, wie es bisher bei den meisten kommunikationsgeschichtlichen
Arbeiten zur Reformation dargestellt wurde. Ziel der Studie ist daher,
diese Lücke durch eine Analyse des Zusammenspiels aller Propaganda-Mittel
der Reformation zu schließen. Hierbei markieren Luthers Thesenanschlag
zu Wittenberg 1517 und die Abfassung der evangelischen Konkordienformel
1577 die Eckpunkte eines Untersuchungs-Zeitraumes, in dem Techniken,
Verbreitung, Stoßrichtung und Wirkung der eingesetzten Propaganda-Mittel
untersucht werden.
Zusätzlich stellt sich die Frage, ob die sogenannten Hauptakteure
(Luther, Eck etc.) nicht vielmehr nur zu Leitfiguren stilisiert wurden
und die eigentlichen imagepflegenden Maßnahmen bzw. Propaganda-Aktivitäten
von anderen Akteuren ausgingen. Luther etwa beteiligte sich nicht direkt
an der publizistischen Massenpropaganda; er erscheint eher als Lobbyist
denn als Propagandist der Reformationsbewegung. Luther wurde als passiver
Imagefaktor identifiziert und in der Propaganda personalisiert, um breite
Kreise der Bevölkerung für die Sache der Reformation zu gewinnen
- eine Entwicklung, die er gebilligt, wenn nicht gar gutgeheißen
hat.
Die Analyse orientiert sich an einem konkreten, zeitlich begrenzten
Konflikt. Insgesamt belegt die kritische Betrachtung aller propagandistisch
relevanten Kommunikationsmittel der Reformationszeit einen Prozess intensiver
Vernetzung schriftlicher und mündlicher Kommunikation.
