Wissenschaffen ist eine angeborene, existenzsichernde Fähigkeit, die
jeder besitzt. Daher besteht auch keine Notwendigkeit, eine Theorie
des Wissenschaffens zu entwickeln, die von allen anerkannt werden muss
wie zum Beispiel das Fallgesetz in der Physik.
Trotzdem hätte uns unser angeborenes Wissenwollen zu einer "Allgemeinen
Theorie des Wissenschaffens" führen müssen. Mit der unerfüllbaren Voraus-Setzung,
Wissen mit absoluter Gültigkeit schaffen zu wollen, wird es unmöglich,
sich darüber zu verständigen, was mit 'gültig' gemeint sein soll.
Der Notwendigkeit enthoben eine Theorie entwickeln zu müssen, die, wie
die Physik, Wissen liefert, das anwendbar ist, wird die Wissenschaftstheorie
bis heute als eine philosophische Disziplin betrachtet.
Befreit man sich von diesen selbst errichteten Denkbarrieren, wird der
Weg frei zu einer Theorie des Wissenschaffens, die anwendbar ist und
die die Möglichkeit schafft, sich wissenschaftlich verständigen zu können.
Ob diese Einsichten in das "Wissenschaffen und Handeln" für den Leser
von Nutzen sein werden, wird von seiner Bereitschaft abhängen, sich
auf ein neues, ein grundlegendes Denken einzulassen. Sie sind handlungsorientiert
und erscheinen so selbstverständlich, dass man ihre Bedeutung unterschätzen
könnte.
Die Handlungsorientierung dieser Theorie wird deutlich, wenn man die
Konsequenzen funktionsorientierten Wissenschaffens näher untersucht:
Zum einen im Hinblick auf das Wissenschaffen selbst wie zum Beispiel
"Begriffsbildung", "Zirkularität" oder die Ordnung der Wissenschaftsbereiche,
zum anderen im Hinblick auf Probleme des Alltags wie Verständigung,
Manipulation, Lernen, Meinungsfreiheit oder Verfügungsgewalt über Wissen
und Verfahren. Die Handlungsorientierung dieser Theorie zeigt sich besonders
deutlich bei der Anwendung der Theorie auf das Handeln selbst. Dieses
Anwenden führt zu einer Grundlegung der Lehre von den Einzelwirtschaften
(Betrieben), die die verschiedenen betriebswirtschaftlichen und organisationstheoretischen
Ansätze zusammenführt. Und ein Blick auf die wissenschaftstheoretischen
Probleme der Wirtschaftstheorie (Volkswirtschaftslehre) zeigt, dass
mit den Einsichten dieser Theorie die Forderungen nach einer Neuorientierung
der Wirtschaftstheorie eine wissenschaftstheoretische Bestätigung erfahren
haben.
