"There`s something about England that`s anti-cinematic." Diese
lakonische Formel Alfred Hitchcocks benennt in knappen Worten das "Malheur"
des britischen Kinos: die ihm periodisch widerfahrende Missachtung und
Schmähung. Doch wo gescholten wird, lässt der Ruhm nicht lange auf sich
warten. So zeichnet dieses Buch die noch "lebendige Blüte" des
britischen Kinos der neunziger Jahre nach. Das Jahrzehnt vor dem Millenniumswechsel
war auf politischer Ebene durch den Übergang von der Konservativen zur
Labour Partei und der Frage nach Großbritanniens Stellung innerhalb
der europäischen Union geprägt. Die Frage der Positionierung des Landes
ging dabei einher mit der Notwendigkeit einer neuen Identitätsfindung.
Das britische Kino der Neunziger erzählt Geschichten von Menschen aller
"Couleur" und zeichnet auf diese Weise das Porträt einer "Nation
im Umbruch". Männlichkeit, Weiblichkeit und Jugendlichkeit dienen als
Schlüsselindikatoren, durch die dieser gesellschaftliche Wandel greifbar
wird. "The State of the Nation" wendet sich Filmbeispielen
der "harten" und "weichen" Männlichkeit (wie Mike Leighs "Naked"
oder Peter Cattaneos "The Full Monty") zu, betrachtet filmisch
dargestellte Gender-Perspektiven (wie Sally Potters "Orlando")
und untersucht kinematographische Generationenkonflikte (wie Danny Boyles
"Trainspotting"), um den Zustand der britischen Nation der
neunziger Jahre in seinen Nuancen zu erkunden.
