Das Kino ist eine Bild- und eine Montage-Kunst. Und es ist eine Schauspieler-Kunst.
Filme machen, wir folgen da François Truffaut, heißt auch: mit hübschen
Frauen (und Männern) hübsche Dinge machen. Es ist die zweite Seite des
Kino-Schönen: die Charakterisierung der Figuren mit Gestik und Kamera,
Kostüm und Licht. Aus der Verklärung von Gesicht und Körper erst erwächst
der Glamour. Das Schöne als Moment des Scheinhaften, Flüchtigen, Unvergleichlichen,
das sich jedem Versuch widersetzt, es auf einen bestimmten Sinn zu reduzieren.
Figuren werden gestaltet - und so Images gebildet (also strategisch
entwickelt) und Helden geformt (also konkret inszeniert). Und immer
reibt sich alles zwischen den Polen von Anverwandlung und Verkörperung,
von acting und performance, von Schauspiel und Figurenpräsenz. Die hier
gesammelten 57 Notate zur Schauspielkunst bieten Anmerkungen zu Spiel
und Wirkung einiger Darsteller einiger Darsteller aus unterschiedlichen
Zeiten und unterschiedlichen Kinematografien. Sie zeugen von der Faszination
für Darsteller im Kino, die sich selbst nicht verstecken, durch besondere
Nuancen aber - oft nur durch kleine Details - einen ganz fremden Charakter
präsentieren. Die Typologie ist deskriptiv zu verstehen: von den Abgebrühten
und den Allerweltskerlen über die Glamourösen, Kapriziösen und Resoluten
bis zu den Modernen und Spielerischen. Die Ausführungen im Detail sollten
dagegen als Versuche einer essentiellen Bestimmung begriffen werden.
So ist auch der Titel "Just be natural", ein Ausspruch des großen Darstellers
Fredric March, als Kontrapunkt zu lesen, von dem aus immer andere, immer
aufregendere Präsentationsspiele sich erkennen lassen.
Norbert Grob ist auch Autor der Gardez!-Bände
"Zwischen Licht und Schatten. Essays
zum Kino"
und
"Im Kino gewesen ... Kritiken zum
Film (1976 - 2001)"
Außerdem ist er Mitherausgeber des Gardez!-Buches
"Ladies, Vamps, Companions. Schauspielerinnen
im Film" (mit Susanne Marschall)
