Neben den klassischen kardiovaskulären Risikofaktoren der koronaren
Herzkrankheit (KHK) wie Rauchen, Dyslipidämie, Diabetes, Hypertonie
moduliert die genetische Prädisposition deren Manifestation und Krankheitsverlauf.
Der Einfluss genetischer Polymorphismen, in der Regel Punktmutationen
eines Gens, auf Entstehung und Verlauf einer komplexen genetischen Erkrankung
wie die KHK wird kontrovers diskutiert.
Bei 329 Patienten der Frankfurter Risikofaktor-Studie, 216 mit manifester
koronarer Herzkrankheit (KHK), 91 Kontrollpatienten mit angiographischem
Ausschluss einer manifesten KHK (definiert als <50% maximale Stenose)
und 22 Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (AVK)
ohne Koronarangiographie wurde der Einfluss von Polymorphismen der sechs
Gene Angiotensin Konversionsenzym (ACE-ID), Angiotensinogen (Ang M235T),
Endothelial Constitutive Nitric Oxide Synthase Gen (ecNos 4a/4b), G-Protein
(G-Protein C825T), Cholesteryl Esterase Transfer Protein (CETP TaqIB)
und Glykoproteinrezeptor IIb/IIIa (HPA-1) auf klinische Endpunkte, insbesondere
Myokardinfarkt und Mortalität im 6-Jahresverlauf (maximal 9,4 Jahre)
untersucht. In der KHK/AVK Gruppe gegenüber der Kontrollgruppe traten
35 (15%) neue Myokardinfarkte innerhalb 6,3 Jahre medianer Nachbeobachtung
vs. 7 (8%) auf und 48 (20%) Patienten vs. 15 (16%) verstarben. Die untersuchten
genetischen Polymorphismen zeigten keine Assoziation mit diesen Endpunkten.
Bei 54 statistischen Vergleichen fand sich nur für den M235T Polymorphismus
im Angiotensinogen-Gen ein grenzwertiger signifikanter Befund. Auch
dieser Befund ist aufgrund der Problematik des multiplen Testens statistisch
zufallsbedingt zu erwarten. Kürzlich zeigte eine Metaanalyse der Ang235T
Mutante keine Assoziation mit Arteriosklerose und klinischen Ergebnissen.
Diese genetischen Polymorphismen sind somit ohne wesentliche prognostische
Bedeutung für den klinischen Verlauf.