Ein Leben in Schönheit und Genuss, die eigenen Leidenschaften und Sehnsüchte
in den Mittelpunkt des Daseins stellen, losgelöst von den Erwartungen
der Gesellschaft seine Zeit auf Erden auskosten, sich nichts entgehen
lassen, vollkommene Selbstentfaltung als einziges Lebensziel - ein Traum
vom Hedonismus, der in literarischen Utopien vom weltgewandten Genießer,
dem Dandy, wiederzufinden ist. Leider stößt der Dandy auch in der Utopie
vom totalen Lebensgenuss an die Grenzen seiner Möglichkeiten. Nach scheinbar
endlosen Verführungen und Versuchungen findet sich der Protagonist der
Dekadenzliteratur in der Ausschweifung verwüstet wieder, unfähig, seinen
Durst auf unbekannte Reize zu stillen oder neue Lebensinhalte zu finden.
Tod und Zerstörung werden seine neuen Begleiter auf der Suche nach unentdeckten
Genüssen, die am Ende oft seinen eigenen Tod nach sich ziehen. Diese
Studie sucht nach einem positiven Ausgang für jenes Lebenskonzept, das
so herrlich begonnen hat, und droht in der Hoffnungslosigkeit zugrunde
zu gehen. Als Vampir hätte der Dandy völlig neue Einsichten in die Welt
und die Existenz, seine Sinne wären nicht mehr auf den Tag konditioniert,
sondern auf die Nacht, ungeahnte Reize würden sich ihm erschließen,
von keinem Menschen vorher genossen, gesetzlos und frei könnte er sein
genießerisches Unwesen treiben. Der Vampir führt nicht nur das unangepasste
Dasein des Dandys fort, sondern ermöglicht auch eine Steigerung des
angestrebten intensiven Lebensgenusses in Form von Blut. Der Vampir
als Retter des uneingeschränkten Hedonismus führt am Ende zu der Frage,
was die Ewigkeit der Verdammnis dem bedeutet, der die Unendlichkeit
an Genuss gefunden hat.
"Diese Verbindung von Dandy und Vampir ist höchst überraschend, aber
überzeugend; nach meiner Kenntnis ist sie so bisher nicht hergestellt
worden." (Prof. Dr. Jörg Richard, Universität Bremen)
