Die Entwicklung der städtischen Kunstsammlung in Mannheim von 1909 bis
1933 ist wesentlich verbunden mit den beiden Leitern der Kunsthalle,
Dr. Fritz Wichert und dessen Nachfolger Dr. Gustav Friedrich Hartlaub.
Wichert strebte einerseits eine Sammlung mit internationalem Ruf an,
wozu der Ausbau eines Saales mit französischen und deutschen Meistern
gehörte. Andererseits bemühte er sich auch, junge Künstler in Mannheim
anzusiedeln und sie zu unterstützen. So entstand das Künstler-Unterstützungsprogramm
für Künstler aus Baden und der Pfalz. Hartlaub musste sich an die von
Wichert vorgegebene Linie halten, sollte die Sammlung nicht in ihrer
Geschlossenheit zerstört werden. Er verfolgte die gleichen Interessen
wie Wichert, ging jedoch einen Schritt weiter und beschäftigte sich
intensiver mit zeitgenössischen Künstlern. Die Studie zeigt, wie beide
ihre unterschiedlichen Vorstellungen einer Sammlung zu verwirklichen
suchten, welche Mittel zur Verfügung standen, welche Unterstützungen
sie von Seiten der Stadt, der Kommission und den Mannheimer Bürgern
bekamen. Die finanzielle Lage der Kunsthalle wurde im Laufe der Zeit
immer schwieriger. Auch die politische Situation machte die Leitung
eines Museumsbetriebes fast unmöglich und gipfelte in der Entlassung
Hartlaubs. Trotz aller Schwierigkeiten, mit denen beide Direktoren zu
kämpfen hatten, verfolgten sie das gleiche Ziel: den Mannheimer Bürgern
die Kunst in ihrer Vielfalt zugängig und verständlich zu machen.
