Obwohl die Zugehörigkeit zu einer nationalen Identität
im 19. und mehr noch im 20. Jahrhundert oftmals das vorzeitige Sterben
für Menschen im Kriege oder in der ethnischen Verfolgung bedeutete,
haben die Sozialwissenschaften nur selten die Bedeutung der nationalen
Zugehörigkeit und Identität für die individuelle Lebensgeschichte unter
biographieanalytischen Aspekten untersucht. Die Arbeit von Andrea Dahme-Zachos
widmet sich der Problematik der nationalen Identität als biographische
Last und Chance in Lebenssituationen der Marginalität. Dazu hat sie
im Rahmen eines Forschungsaufenthalts im Süden Brasiliens biographisch-narrative
Interviews mit Angehörigen der deutschsprachigen Minderheit erhoben
und anschließend ausgewertet.
Die Arbeit wurde im Stile eines ethnographischen Forschungsberichts
geschrieben. Die Autorin hat im Rahmen dieses Berichtes insbesondere
das relativ diffuse, bisher kaum erforschte Feld des Ineinanders von
biographischen Prozessen und von Identifizierungen mit nationalen Kollektiven
sowie der bikulturell-marginalen Lebensverläufe systematisch vermessen.
Dabei ist, nebenbei, auch ein ethnographisches Portrait der deutsch-brasilianischen
Sozialwelten und ihrer Entfaltungsgeschichte entstanden.
