Postmoderne im Kino? Während sich im angelsächsischen Raum in den vergangenen
Jahren zahlreiche Beiträge diesem Thema widmeten, fand eine filmwissenschaftliche
Auseinandersetzung mit dem Kino der achtziger und neunziger Jahre im
deutschsprachigen Raum lediglich in Ansätzen statt. Um einem verbreiteten
Manko zu begegnen, wird hier als Ausgangspunkt der Diskussion zunächst
eine Bestandsaufnahme und Eingrenzung des Begriffs der "Postmoderne"
vorgenommen. Den dabei festgestellten Strukturen und Merkmalen "postmoderner
Ästhetik" innerhalb des audiovisuellen Mediums nachzuspüren ist das
Ziel der anschließenden Untersuchung einer Reihe von konkreten Filmbeispielen
verschiedener Gattungen. Neben der ausführlichen Analyse und Interpretation
des von Publikum und Kritik kontrovers aufgenommenen Kinofilms Wild
at Heart - Die Geschichte von Sailor und Lula von David Lynch (Goldene
Palme in Cannes 1990) stellen den weiteren Untersuchungsgegenstand jene
Veränderungen dar, wie sie in jüngerer Zeit in die Kurzfilmgattungen
Musikvideo und Werbespot Eingang gefunden haben. Seit den achtziger
Jahren kam es zu einem rapiden Wachstum sowohl des Aufkommens als auch
der ästhetischen Qualitäten der Werbespots, parallel dazu erbrachte
die Entstehung des Musikvideos und des Musikfernsehens mit der so genannten
"Clipästhetik" neue Erscheinungsformen in der Präsentation von
Fernsehen. Wie sich zeigt, sind die Vorbilder aus diesen Clips und Spots
im Begriff, zunehmenden Einfluss auf das gesamte audiovisuelle Medium
auszuüben.
