Friderike Beyer
Kulturexpansion
Französische Kolonialismusliteratur
zwischen 1870 und 1914

1. Auflage 2004. 300 S. DIN A 5. Broschur
EURO 33,00 (unverbindliche Preisempfehlung)
ISBN 978-3-89796-148-7
Komparatistik im Gardez! Hrsg. v. Werner Nell. Band 4


Nachdem in der Julimonarchie und dem Zweiten Kaiserreich bereits Grundsteine für die Expansion gelegt worden waren, betrieb vor allem die Dritte Republik eine engagierte Kolonialpolitik in Afrika und Ostasien. Zehn Jahre nach der Gründung der Republik illustriert die Errichtung des Protektorats in Tunesien die Entschlossenheit, ein neues französisches Kolonialimperium entstehen zu lassen.
Dieses Expansionsstreben hatte verschiedene Dimensionen: Aus außenpolitischer Sicht galt es, sich in der Konkurrenz der expandierenden Großmächte zu behaupten und sich bei der Aufteilung Afrikas beispielsweise entsprechende Anteile zu sichern. Neue Außenhandelsmöglichkeiten versprachen zudem wirtschaftlichen Profit. Für die Innenpolitik erhoffte man sich von der kolonialen Expansion einen stabilisierenden Effekt, denn die gemeinsame Herausforderung sollte die Nation einigen, ihr und ihrer Armee nach der Niederlage von 1871 wieder Selbstbewusstsein und Stärke vermitteln.
Eine besondere Dimension der Kolonialpolitik der Dritten Republik bestand jedoch in der Überzeugung, mit der Expansion und der Verbreitung der eigenen Kultur einen zivilisatorischen Auftrag zu erfüllen. Hierbei verband sich das kulturelle Selbstbewusstsein Frankreichs mit positivistischer Wissenschaftsgläubigkeit und sozialdarwinistischen Denkansätzen. Die zivilisatorische Legitimation dominierte alle anderen Aspekte, die zur Rechtfertigung der Kolonisation dienten, und schaffte in allen gesellschaftlichen Bereichen ein positives Bewusstsein hinsichtlich der Kolonisation. So entstand ein kolonialistischer Diskurs, der sich in vielfältigen Textsorten niederschlug und die Wahrnehmung der kolonialen Expansion prägte.
Um seine Entstehung und Wirkungsweise nachvollziehen zu können, wird in der vorliegenden Untersuchung ein breites Korpus analysiert, das sowohl wissenschaftliche, politische, journalistische und didaktische als auch fiktionale Texte umfasst. Im Mittelpunkt des Interesses stehen hierbei die Kolonialromane französischer Autoren aus dem Zeitraum zwischen 1870 und 1914. Allerdings werden sie erstmals nicht als Teil der zeitgenössischen Literatur, sondern als Teil eben jenes kolonialistischen Diskurses betrachtet, dem sich auch die Literaten nicht entziehen konnten.

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