Die Behandlung von Anwendungsproblemen ist eine zentrale Aufgabe für
die Diskursethik. Diese ist um ihrer Praxisnähe willen darauf angewiesen,
die relevanten Handlungsfelder moderner Gesellschaften aus ihrer Perspektive
zu erschließen. Das Feld wirtschaftlichen Handelns hat im Rahmen der
Diskussion um verschiedene wirtschaftsethische Entwürfe in den vergangenen
Jahren zwar an Aufmerksamkeit gewonnen. Die vorgelegten Entwürfe entbehren
aber entweder eines rechtfertigungstheoretisch stabilen Fundaments oder
neigen zu unrealistischen Idealisierungen. Vor diesem Hintergrund schließt
die vorliegende Studie eine doppelte Lücke: Sie wendet sich mit dem
wirtschaftlichen Handeln einem im Rahmen der Anwendungsproblematik bisher
nur am Rande betretenen Anwendungsgebiet der Diskursethik zu - und sie
bettet zugleich Überlegungen zur Wirtschaftsethik präzise in ein ausgearbeitetes
philosophisches Theoriegebäude ein. Nach einer Rekonstruktion und Strukturierung
des Anwendungsproblems in der transzendentalpragmatischen Diskursethik
werden Konzeptualisierungen wirtschaftlichen Handelns in ökonomischen
Theorien sowie die wichtigsten wirtschaftsethischen Entwürfe kritisch
dargestellt. Anschließend wird der Ansatz einer Wirtschaftsethik als
angewandter Diskursethik in einigen Punkten ausgearbeitet. Dabei wird
eine wichtige Theorie-Erweiterung vorgeschlagen, die es erlaubt, im
diskursethischen Rahmen der Spezifik wirtschaftlichen Handelns gerecht
zu werden.
Marcus Beiner schrieb auch den Gardez!-Band
"Kommunikationsgemeinschaft und
Kontraktualismus"
