Mit
seinem Buch legt Manuel Begert auf der Basis des Heideggerschen Denkens
eine in sich geschlossene Kunsttheorie vor, die sich als umfassende
Ontologie verstanden wissen will. Begerts Untersuchung zielt auf die
philosophische Grundfrage ab: "Warum ist die Welt und was machen wir
in ihr?"
Ausgangspunkt
ist für Begert - wie seinerzeit für Heidegger - das Kunstwerk: Was ist
ein Kunstwerk und worin unterscheidet es sich von anderen "Dingen",
die wir vorfinden? Was ist das Geschehen von Vorfindlichkeit überhaupt?
Begert bezieht sich auch auf das Spätwerk Martin Heideggers, vor allem
auf die Schrift "Die Kunst und der Raum". Diese späten Texte Heideggers
gelten zumeist als kryptisch, der Zugang zu ihnen ist nur schwer zu
finden. Begert entschlüsselt diese späten Texte nicht nur plausibel,
sondern aufgrund seiner Analyse stellt sich dar, dass sich erst hier
das Denken Heideggers in absoluter Klarheit und philosophischer Meisterschaft
vollzieht und dass erst im Spätwerk das wahre Denken Heideggers zu finden
ist. Unstimmigkeiten und Fehlschlüsse im vorangehenden Denken Heideggers,
so in der Schrift "Der Ursprung des Kunstwerkes", werden von Begert
schlüssig nachgewiesen und richtig gestellt. Begert gelingt es zudem,
zentrale Konzeptualisierungen Heideggers herauszuarbeiten, die bisher
von der Heidegger-Forschung vernachlässigt oder übersehen wurden, so
z.B. die Differenzierung von "geworfener Offenheit" und "eröffneter
Offenheit".
Begert, der selbst Kunstschaffender (Malerei und Fotografie) ist, stellt
dem Denken Heideggers vergleichend Äußerungen kontemporärer Kunstschaffender
(beispielsweise Gerhard Richter) gegenüber und zeigt grundlegende Parallelen
auf.
Begerts Untersuchung ist aber nicht nur eine Analyse des Denkens von
Martin Heidegger, sondern eine eigenständige Weiterführung desselbigen.
Aus der von Begert entworfenen Kunsttheorie ergeben sich Konsequenzen
für die generelle Auffassung von dem, was als Kunstwerk gilt. Weiterhin
ergeben sich praktische Konsequenzen für den Umgang mit Kunstwerken.
Jene betreffen - wie Begert im Einzelnen darlegt - sowohl das Schaffen
von Kunstwerken als auch das Betrachten von Kunstwerken sowie die Auffassung
von Kunstgeschichte und die didaktische Konzeptualisierung der Kunstpädagogik.
Dabei spielt in Begerts Denken die von ihm begrifflich entwickelte so
genannte "Verzeuglichung" eine tragende Rolle. Begert legt dar, in welchen
Formen das Werk zum Zeug verkommt, so auch im Sagen, von dem Heidegger
sich nicht konsequent löst. Hieraus führt Begerts Denken stringent zu
einer Philosophie des Nicht-Sprechens; eines Nicht-Sprechens, in dem
es unwesentlich ist, ob gesprochen wird oder nicht.
Der umfassende Ansatz Begerts kommt unter anderem darin zum Ausdruck, dass die grundlegenden Disziplinen, Probleme und Begriffe der Philosophie in ihrem Gesamtzusammenhang abgehandelt werden. Neben der Kunsttheorie, der Erkenntnistheorie (Erkennen, Wissen und Sprechen) und der Anthropologie (Menschsein, Subjekt und Gemeinschaft) wird vor allem die Ontologie erörtert, mit ihren Grundfragen nach Materie, Raum, Zeit und Kausalität.
Bitte beachten Sie auch:
Zum Autor ist soeben der Band
"Manuel Begert - Malerei und
Fotografie"
Katalog zur Ausstellung in der Galerie Alberghina
(Hrsg. v. Claudia Alberghina)
erschienen.