Die Filme Rainer Werner Fassbinders (1945-1982),
der heute im internationalen Kino-Diskurs in diverser Hinsicht auffällig
präsent ist, gehören zu Meilensteinen der europäischen (Auteur-)Filmgeschichte.
Sein Werk zeigt explizit eine außergewöhnliche Formen-Vielfalt. Doch
hat der Filmemacher selbst den inneren konzeptuellen Zusammenhang seines
uvres anschaulich betont: "Ich möchte ein Haus mit meinen Filmen
bauen. Einige sind der Keller, andere die Wände, und wieder andere sind
die Fenster. Aber ich hoffe, dass es am Ende ein Haus wird".
Diese Arbeit konzentriert sich auf die formelhaften, oft undifferenzierten
filmanalytischen Etikettierungen, mit denen Fassbinders Filme bis dato
versehen wurden, und bringt sie auf einen gemeinsamen Nenner: Stilisierung.
Die Stilisierung, die als formgewordenes Selbstbewusstsein des Auteurs
sowohl den Zeichencharakter des Films offen legt wie auch seiner Transparenzillusion
entgegenarbeitet, fungiert als ästhetisches Bauskelett, das jenes kompakte
wie vielschichtige Film-Haus Fassbinders zusammenhält.
Mit dem fragenden Blick darauf, dass Fassbinders Kino trotz ausgeprägter
Topographie 'Westdeutschland' weder mit der authentisch-dokumentarischen
Neigung der Oberhausener-Generation übereinstimmte noch in der quasi-ödipalen
Rebellion zu 'Papas Kino' stand, wird sein uvres unter dem Aspekt
der filmästhetischen Stilisierung sozusagen wie eine Art Hausführung
Räume für Räume, Etage für Etage betrachtet.
