"Die Performance des Körpers - der Körper der Performance"
entstand in der Auseinandersetzung mit den Arbeiten der amerikanischen
Performance-Künstlerinnen Holly Hughes, Karen Finley, "Dancenoise",
Johanna Went und Diane Torr. Sie etablieren in ihren Arbeiten "gender",
"race" und "sexual preference" als politische Kategorien,
indem sie sowohl deren Wirkung jenseits eines privaten Bereiches als
auch den blinden Fleck, den diese Kategorien in einer kanonisierten
Kunstauffassung hinterlassen, konstatieren. Austragungsort dieser Kategorien
ist bei allen Künstlerinnen der Körper.
Sich der Performance und dem Körper in der Performance aus theaterwissenschaftlicher
Perspektive anzunähern, bedeutet, einige Prämissen der Inszenierungsanalyse
zu hinterfragen und neue theoretische Felder zu eröffnen. In Anlehnung
an Gendertheorien und theatertheoretische Ansätze über die Begriffe
der Theatralität und der Repräsentation wird eine Konzeption des Körpers
der Performance entworfen. Diese Verknüpfung erweist sich als fruchtbar,
weil die in den Gendertheorien entwickelten Konzepte vom Körper als
Basis für ein Modell der Theatertheorie dienen, mit der zeitgenössische
künstlerische Praktiken jenseits einer traditionell vorgegebenen mimetischen
Struktur untersucht werden können. Aus der Zusammenführung der unterschiedlichen
Ansätze ergibt sich der Begriff der Bezeichnungspraxis, der als Konzept
für den Körper der Performance und gleichsam für die Performance des
Körpers dient.
