Das neue Buch von Karl Albert vertritt gegen die
zur Zeit bei uns herrschenden soziologischen und wissenschaftstheoretischen
Tendenzen die These, dass die Philosophie nicht nur aus der Religion
hervorgegangen, sondern dass sie trotz aller Gegenbewegungen bis in
die Gegenwart hinein als eine fundamentale Religion hinter den speziellen
Religionen wie Judentum, Christentum und Islam lebendig geblieben ist.
Das gilt vor allem für die Antike, in der die Platonische Philosophie
als eine neue Religion verstanden wurde. Im christlichen Mittelalter
entwickelte sich hinter einer das Leben und Denken bestimmenden Theologie
eine religiös gefärbte Philosophie.
Auch die Neuzeit kannte nicht nur die antireligiöse Aufklärung, sondern
ebenso eine philosophische Religion, von der Lichtenberg vermutete:
"Wenn die Welt noch eine unzählbare Zahl von Jahren besteht, so
wird die Universalreligion geläuterter Spinozismus sein". Für die Gegenwart
werden Ansätze zu einer auf die Erfahrung des Seins gegründeten philosophischen
Religion erörtert.
