Mexiko, lange Zeit von einem politischen Regime sui generis beherrscht,
beschreitet seit 1988 den Weg zur Demokratie. Unter Bezugnahme auf moderne
Konzepte der Zivilgesellschaft und deren Einfluss auf die Transformation
politischer Systeme beschreibt die Autorin in der vorliegenden Studie
die Genealogie der Zivilgesellschaft in Mexiko. Im Oktober 1968 sagen
erstmalig die Studenten dem Staatsapparat den Kampf an. Aber erst allmählich
beginnt sich die gesamte Bevölkerung gegen die Bevormundung durch das
politische Regime zur Wehr zu setzen. Das Versagen des Staates bei der
Beseitigung der Erdbebenschäden 1985 löst schließlich einen regelrechten
Boom der nichtstaatlichen Organisation aus. Dieses Erlebnis schärft
das Bewusstsein der Bürger und steigert die Kritik an den staatlichen
Institutionen. Das Zusammentreffen von sozialer, wirtschaftlicher und
politischer Krise am Vorabend der Wahlen 1988 provoziert erneut heftige
Reaktionen in der Bevölkerung. Freie und faire Wahlen, soziale Gerechtigkeit
sowie Einhaltung der Menschenrechte zählen ab diesem Zeitpunkt zu den
Interessenschwerpunkten zivilgesellschaftlicher Organisationen. Als
das Regime den Reformforderungen der Bevölkerung immer noch nicht nachgibt,
sieht die Zapatistische Befreiungsarmee (EZLN) 1994 den einzigen Ausweg
im bewaffneten Aufstand. Die Chiapas-Krise fördert die Allianzbereitschaft
der Bevölkerung und ermöglicht der indianischen Bewegung den Eintritt
in die Zivilgesellschaft.