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HUBERT NEUMANN
Sozialdisziplinierung in der Reichsstadt Speyer
im 16. Jahrhundert

1. Aufl. 1997. 208 S. DIN A5. Broschur.
EURO 19,95
ISBN 3-928624-59-8
Geschichte im Kontext. Herausgegeben. v. Armin Heinen u. Hubertus Seibert. Band 3

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Der Titel ist vergriffen.


Die Studie verdeutlicht am Beispiel der freien Reichsstadt Speyer im 16. Jahrhundert das breitgefächerte gesellschaftshistorische Konzept der "Sozialdisziplinierung". Benannt wird damit sowohl der Prozess der Erziehung bzw. Gewöhnung der Menschen in ihrem Zusammenleben in Staat und Gesellschaft zur Einhaltung von vorgeschriebenen Verhaltensregeln und zur Beherrschung des eigenen Willens und der eigenen Gefühle als auch der Prozess ihrer "Maßregelung" bzw. Bestrafung. Subjekt und Objekt dieses Disziplinierungsprozesses sind Obrigkeit und Untertan. Dabei erweist sich eine herrschaftssoziologische Sichtweise, die nur den Verordnungsweg (z. B. Polizei- und Bettelordnungen) betrachtet, als zu eng. So sind Kontrolle und Disziplinierung keine Vorgänge, die "von oben nach unten" gerichtet verlaufen. Vielmehr kontrollieren und disziplinieren sich die Untertanen gegenseitig und erwarten obrigkeitliche Maßnahmen. Bedeutsam ist der Hintergrund einer religiösen bzw. magischen Weltanschauung. Zentrale Begriffe sind hier "Ehre" und "Eid", religiös-geistige Verpflichtungs- und Zwangsmittel, mit denen der Speyerer Stadtrat seinen Obrigkeitsanspruch verfestigen und ausbauen kann. Eine große Rolle spielt auch die Vorstellung, dass Sünde - gleich welcher Art - "ansteckend" "(Sündeninfektion") und für das Gemeinwesen schädlich sei. Fehlverhalten, das ungestraft bleibt, muss somit unabweislich Gottes Zorn über das Gemeinwesen bringen.

Zum Autor

Hubert Neumann ist auch Autor des Romans
"Lusthängen"