Lothar Bendel
Wissenswertes über Kräuter und Gewürze

Kapitel "Giersch":

Giersch
Aegopodium podagraria

Ackerholder, Baumtropfen, Bodenholunder, Choleradistel, Dreiblatt, Dreifuß, Erdholler, Ferkenfüße, Franzosenkraut, Geeschke, Gerhardskraut, Ger(i)sch, Gerse(ln), Gese(l), Gerzel, (Gewöhnlicher) Geißfuß, Geßenkielm, Geyssfüssel, Gichtkraut, Gierisch, Giersch(ke), Giersi(n)g, Gierz, Gießeln, Goutweed (engl.), Ground Elder (engl.), Gurisch, Harsk, Hasenscharteln, Herbe-aux-goutteux (frz.), Herke, Hersch, Herske, Hinfuß, Hinlauff, Hirs, Hirschtritt, Jesche, Jessel, Kirskal (schwed.), Kleine wilde Engelwurz, Knopfkraut, Podagraire (frz.), Podagra(ms)kraut, Rutzitzke, Scharteln, Schneckenkraut, St. Gerhardskraut, Strenzel, Vuohenputki (finn.), Wasserkraut, Wilde Angelika, Witscherlenwetsch, Wuch(er)kraut, Zaungiersch, Zevenblad, Ziegenkraut, Zipperle(ins)kraut

Allgemeines, Herkunft, Geschichtliches
Der Giersch ist ein aus Peru stammender Doldenblütler / Apiaceae (Umbelliferae), der sich mittlerweile in fast allen Gärten Europas, Asiens und im Kaukasusgebiet wohlfühlt. Er wächst wild und äußerst hartnäckig an Hecken, Zäunen, auf absonnigen Wiesen und an Waldrändern. Er galt lange Zeit bei Gärtnern als unausrottbar, da jedes Wurzelstückchen, das nach der Ernte im Boden verbleibt, neue Sprossausläufer bildet und dabei gesunde Nachbarpflanzen verdrängt; heute gibt es jedoch spezielle Unkrautvernichter, die den vermeintlich unaufhaltsamen Wuchs stoppen. Umweltfreundlicher geht man vor, indem man entweder Kartoffeln oder Maiglöckchen anpflanzt oder Hühner einige Tage lang nach den feinen Wurzeln buddeln lässt.
Die botanische Bezeichnung Aegopodium podagraria wird vom griechischen "aigos" für "Ziege" und "podion" für "Füßchen" sowie "podagrius" von "podagra" abgeleitet, was für "Gicht" steht.
Gicht- und Zipperleinskraut wird der Giersch auch genannt, weil die Grünkraft seiner Blätter jahrhundertelang als wirksames Mittel im Kampf gegen Arthrose und Gicht in den Fußgelenken (Podagra) angewandt wurden.
Sein Zweitname Geißfuß leitet sich vom ziegenfußähnlichen Charakter seiner Blattstiele ab.

Aussehen
Der ausdauernde, bis zu 80 cm hohe Giersch besitzt ein lang gestieltes, dichtes Blätterkleid, schirmartig angeordnete Blütendolden (Mai-September) mit winzigen, wollweißen oder schwach rötlichen Blättchen und eine stark verzweigte Vielzahl von kleinen, flachwüchsigen Ausläufern, die kräftige Hauptwurzel ist jedoch pfahlförmig. Die charakteristischste Eigenschaft des Gierschs ist sein dreieckiger Stängelquerschnitt und sein petersilienartiger Geruch - die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale zum giftigen und äußerlich ähnlichen Wasserschierling.

Geschmack
Junge Gierschblätter weisen ein angenehm mild-säuerliches Aroma auf; ältere Exemplare schmecken hingegen bitter.

Geruch
Der Giersch verströmt einen lieblichen Duft, der stark an Karotten und Petersilie erinnert.

Hauptinhaltsstoffe
Bor, Eiweiß, Eisen, Harz, Kalium, Kupfer, Mangan, Polyin, Provitamin A, Saponin, Titan, Vitamin B, C.

Verwendung, Zubereitung
Gierschblätter können von März bis Oktober zur Herstellung von Bratlingen, Gemüse, Kräuterbutter, Pfannkuchen, Suppen oder Teigtaschen verarbeitet werden, im Laufe des Spätsommers werden die Blätter jedoch zunehmend zäh und bitter.
Gierschkohl nennt man Gierschblätter, wenn sie mitsamt ihren rötlichen und überaus mineralstoffreichen Stielansätzen wie Wirsing zubereitet werden. In Bierteig gebackene Gierschblätter gelten bei Feinschmeckern als Hochgenuß.
Gierschlimonade macht man so: Ca. 20 Gierschblätter werden zusammen mit einer Gundermannzweig und einem Pfefferminzstängel zu einem Sträußchen zusammengebunden und dann für etwa 3 Stunden in 1 Liter Apfelsaft gehängt. Danach entfernt man die Kräuter und füllt mit 0,5 Liter gut gekühltem Mineralwasser auf!

Volksmedizinische Bedeutung
Gierschverzehr hat ausgleichende, entgiftende sowie harntreibende Wirkungen und kann Gicht auslösende Harnsäurekristalle ausschwemmen helfen. Umschläge mit zerkleinerten Gierschblättern wirken nicht nur schmerzlindernd und krampflösend bei rheumatischen Erkrankungen (besonders bei der Fußgicht / Podagra), nach Mückenstichen haben sie ebenfalls desinfizierende und kühlende Eigenschaften.

Tipp
In Frankreich gelten knusprige Bratkartoffeln, die vor dem Auftischen mit frischen Gierschblättern verfeinert wurden, als regionale Delikatesse.

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