Kapitel "Giersch":
Giersch
Aegopodium podagraria
Ackerholder, Baumtropfen, Bodenholunder, Choleradistel, Dreiblatt, Dreifuß, Erdholler, Ferkenfüße, Franzosenkraut, Geeschke, Gerhardskraut, Ger(i)sch, Gerse(ln), Gese(l), Gerzel, (Gewöhnlicher) Geißfuß, Geßenkielm, Geyssfüssel, Gichtkraut, Gierisch, Giersch(ke), Giersi(n)g, Gierz, Gießeln, Goutweed (engl.), Ground Elder (engl.), Gurisch, Harsk, Hasenscharteln, Herbe-aux-goutteux (frz.), Herke, Hersch, Herske, Hinfuß, Hinlauff, Hirs, Hirschtritt, Jesche, Jessel, Kirskal (schwed.), Kleine wilde Engelwurz, Knopfkraut, Podagraire (frz.), Podagra(ms)kraut, Rutzitzke, Scharteln, Schneckenkraut, St. Gerhardskraut, Strenzel, Vuohenputki (finn.), Wasserkraut, Wilde Angelika, Witscherlenwetsch, Wuch(er)kraut, Zaungiersch, Zevenblad, Ziegenkraut, Zipperle(ins)kraut
Allgemeines, Herkunft, Geschichtliches
Der Giersch ist ein aus Peru stammender Doldenblütler
/ Apiaceae (Umbelliferae), der sich mittlerweile in fast allen Gärten
Europas, Asiens und im Kaukasusgebiet wohlfühlt. Er wächst wild und
äußerst hartnäckig an Hecken, Zäunen, auf absonnigen Wiesen und an Waldrändern.
Er galt lange Zeit bei Gärtnern als unausrottbar, da jedes Wurzelstückchen,
das nach der Ernte im Boden verbleibt, neue Sprossausläufer bildet und
dabei gesunde Nachbarpflanzen verdrängt; heute gibt es jedoch spezielle
Unkrautvernichter, die den vermeintlich unaufhaltsamen Wuchs stoppen.
Umweltfreundlicher geht man vor, indem man entweder Kartoffeln oder
Maiglöckchen anpflanzt oder Hühner einige Tage lang nach den feinen
Wurzeln buddeln lässt.
Die botanische Bezeichnung Aegopodium podagraria wird vom griechischen
"aigos" für "Ziege" und "podion" für "Füßchen" sowie "podagrius" von
"podagra" abgeleitet, was für "Gicht" steht.
Gicht- und Zipperleinskraut wird der Giersch auch genannt, weil die
Grünkraft seiner Blätter jahrhundertelang als wirksames Mittel im Kampf
gegen Arthrose und Gicht in den Fußgelenken (Podagra) angewandt wurden.
Sein Zweitname Geißfuß leitet sich vom ziegenfußähnlichen Charakter
seiner Blattstiele ab.
Aussehen
Der ausdauernde, bis zu 80 cm hohe Giersch besitzt
ein lang gestieltes, dichtes Blätterkleid, schirmartig angeordnete Blütendolden
(Mai-September) mit winzigen, wollweißen oder schwach rötlichen Blättchen
und eine stark verzweigte Vielzahl von kleinen, flachwüchsigen Ausläufern,
die kräftige Hauptwurzel ist jedoch pfahlförmig. Die charakteristischste
Eigenschaft des Gierschs ist sein dreieckiger Stängelquerschnitt und
sein petersilienartiger Geruch - die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale
zum giftigen und äußerlich ähnlichen Wasserschierling.
Geschmack
Junge Gierschblätter weisen ein angenehm mild-säuerliches
Aroma auf; ältere Exemplare schmecken hingegen bitter.
Geruch
Der Giersch verströmt einen lieblichen Duft, der
stark an Karotten und Petersilie erinnert.
Hauptinhaltsstoffe
Bor, Eiweiß, Eisen, Harz, Kalium, Kupfer, Mangan,
Polyin, Provitamin A, Saponin, Titan, Vitamin B, C.
Verwendung, Zubereitung
Gierschblätter können von März bis Oktober zur Herstellung
von Bratlingen, Gemüse, Kräuterbutter, Pfannkuchen, Suppen oder Teigtaschen
verarbeitet werden, im Laufe des Spätsommers werden die Blätter jedoch
zunehmend zäh und bitter.
Gierschkohl nennt man Gierschblätter, wenn sie mitsamt ihren
rötlichen und überaus mineralstoffreichen Stielansätzen wie Wirsing
zubereitet werden. In Bierteig gebackene Gierschblätter gelten bei Feinschmeckern
als Hochgenuß.
Gierschlimonade macht man so: Ca. 20 Gierschblätter werden zusammen
mit einer Gundermannzweig und einem Pfefferminzstängel zu einem Sträußchen
zusammengebunden und dann für etwa 3 Stunden in 1 Liter Apfelsaft gehängt.
Danach entfernt man die Kräuter und füllt mit 0,5 Liter gut gekühltem
Mineralwasser auf!
Volksmedizinische Bedeutung
Gierschverzehr hat ausgleichende, entgiftende sowie
harntreibende Wirkungen und kann Gicht auslösende Harnsäurekristalle
ausschwemmen helfen. Umschläge mit zerkleinerten Gierschblättern wirken
nicht nur schmerzlindernd und krampflösend bei rheumatischen Erkrankungen
(besonders bei der Fußgicht / Podagra), nach Mückenstichen haben sie
ebenfalls desinfizierende und kühlende Eigenschaften.
Tipp
In Frankreich gelten knusprige Bratkartoffeln, die
vor dem Auftischen mit frischen Gierschblättern verfeinert wurden, als
regionale Delikatesse.
